Lied: EG 446, 1.7-9 Wach auf, mein Herz
Votum: Im Namen …
Gem.: Amen
Psalm 145 (EG 756 im Wechsel)
Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich.
Der HERR ist groß und sehr zu loben, und seine Größe ist unausforschlich.
Kindeskinder werden deine Werke preisen und deine gewaltigen Taten verkündigen.
Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.
Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für.
Der HERR ist getreu in all seinen Worten und gnädig in allen seinen Werken.
Der HERR hält alle, die da fallen, und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.
Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.
Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen.
Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren, und hört ihr Schreien und hilft ihnen.
Kommt, lasst uns den Herrn anbeten!
Gem.: Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen
Kyrie-Gebet: Darum rufe ich zu dir
Gem.: Herr, erbarme dich. Christe, erbarme dich. Herr, erbarm dich über uns
Gnadenzuspruch: … Ehre sei dir, o Herr!
Gem.: Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende
Gebet: … Ewigkeit!
Gem.: Amen
Schriftlesung aus Lukasevangelium 18, 9-14
Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren!
Gem.: Halleluja, halleluja, halleluja!
Glaubensbekenntnis
Lied: EG 262, 1-4 Sonne der Gerechtigkeit
Predigt mit Predigttext aus 1. Petrusbrief 5,5
Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
Liebe Gemeinde,
die Beispielgeschichte vom Zöllner und Pharisäer (die Übersetzung spricht zwar von einem „Gleichnis“, aber da es eine reale Geschichte ist, wo die beiden Hauptpersonen für sich selbst stehen, ist „Beispielgeschichte“ korrekter) – diese Geschichte spricht für sich und kann von Pharisäern, die damals zugehört haben, als direkte Kritik an beobachteten Verhaltensweisen gedeutet werden.
Was der einleitende Satz noch verrät, ist, dass Jesus nicht automatisch alle Pharisäer meint (denn in manchen Punkten steht er den Positionen dieser frommen Laienbewegung durchaus nahe), sondern er spricht gezielt von „einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern“. Was nun folgt hat zu dem zweifelhaften Ruf der Pharisäer beigetragen, nämlich selbstgerechte Heuchler zu sein, die fromm tun, aber es nicht sind. Der Begriff „Pharisäer“ hat sich im Sprachgebrauch erhalten als norddeutscher Kaffee mit Sahne und einem guten Schuss Rum. Der Kaffee galt als „protestantisches Getränk“, da er mit Nüchternheit und Arbeit verbunden wird. Aber der ordentliche Schuss Alkohol bringt eine verdeckte, andere Seite zum Vorschein, nämlich Feierabend, Gemütlichkeit und Entspannung. Somit gibt dieses Getränk etwas vor, was sich aber in Wirklichkeit ins Gegenteil verkehrt.
Das Schimpfwort „Pharisäer“ hat sich im kirchlich-religiösen Kontext erhalten als ein Klischee gegenüber Menschen, die ihren Glauben bewusst praktizieren und bestimmte moralische Werte einfordern. Bevor ich auf den heutigen Sprachgebrauch eingehe, möchte ich zunächst einmal die Absicht von Jesus deutlich machen. Wie der einleitende Satz hervorhebt, spricht Jesus hier nicht alle Mitglieder der frommen Laienbewegung an, sondern er adressiert an „einige“, die sich einerseits für „fromm und gerecht“ hielten und andererseits „andere verachteten“. Im Deutschen gibt es noch einen Begriff, der dies in ein Wort fasst, nämlich „selbstgerecht“. Was ist also das Problem dieses Pharisäers, stellvertretend für einige andere? Sie sind einerseits „Selbstdarsteller“. Es reicht nicht, sich vorne im Tempel hinzustellen, wo sie alle anderen sehen.
Er betet laut und selbstbewusst und stellt sich und sein Verhalten in den Mittelpunkt. Eigentlich spricht er nicht zu Gott, sondern eher zu den anderen im Tempel, die ihn für seine strenge Moral und seine Freigiebigkeit bewundern sollen. Denn wozu sollte der Pharisäer dies alles vor Gott aufzählen, der dies doch weiß? Der Zöllner dagegen erscheint als das komplette Gegenbild. Er steht hinten, weil er eben nicht gesehen werden will, er erhebt nicht seine Stimme und blickt nach unten, weil er sich schämt und nur möchte, dass Gott ihn hört.
Er hat nichts vorzuweisen, sondern kann nichts Anderes sagen, als dass er ein Sünder ist, der darauf hofft, bei Gott Gnade zu finden. Jesus Urteil über diese Szene ist ein Hammerschlag: „Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener.“ Er dreht damit die erwartete Deutung um. Der „Selbstgerechte“ mag vor anderen gut dastehen, aber bei Gott geht er leer aus, während derjenige, der nichts zu bieten hat, und sein Elend quasi „Gott vor die Füße legt“, statt einer Verurteilung „Gnade“ erfährt, also unverdiente Schuldvergebung.
Die Beispielgeschichte schließt mit einer Verallgemeinerung, um deutlich zu machen, dass Gott nicht willkürlich urteilt, sondern es einen wichtigen Grund gibt, warum er in Bezug auf den Pharisäer so bzw. gegenüber dem Zöllner anders handelt: „Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“ Dieser Satz wurde und wird gerne missverstanden. Bei zwei Übersetzungen las ich von der „Selbstsicherheit“ des Pharisäers, während der Zöllner sich „kleinmacht“, als ob es Gott darum gehen würde, möglichst innerlich gebeugte und unsichere Menschen anzunehmen und die aufrechten und selbstsicheren Gläubigen abzuweisen.
Das Begriffspaar des Wochenspruches aus dem 1. Petrusbrief bringt den eigentlichen Grund klarer hervor: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Es geht um eine Grundhaltung der Demut bzw. des „Hochmuts“. Der zweite Teil des einleitenden Satzes bei Jesus zeigt das an. Hochmütig sind nämlich die, die sich über andere stellen, und sie „verachten“, quasi „von oben herab“. Die Hochmütigen haben also ein doppeltes Problem. Sie „erhöhen sich selbst“ und brauchen eigentlich auch Gott nicht mehr, da sie ja selbst gut sind, was bereits ein fataler Fehler ist. Und darüber hinaus maßen sie sich an, andere verurteilen zu dürfen, was ihnen nicht zusteht: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.“ Spannend wird die Übertragung auf die Gegenwart.
Es mag auch heute noch unter der Gruppe der „Frommen“ welche geben, die genau diesen Fehler wiederholen, und darum auch selbstgerecht und moralistisch rüberkommen. Aber mittlerweile erlebe ich durchaus bei religiös distanzierten Menschen ein Maß an Arroganz und Überheblichkeit gegenüber denen, die bewusst an Gott glauben und auf ihn hoffen, dass sie nach meiner Wahrnehmung durchaus ins Klischee des (nicht-religiösen) Pharisäers hineinpassen.
Es ist dies keineswegs überraschend, wenn ich nämlich in meinem Denken und Glauben von einem Gott ausgehe, der als Schöpfer mir als Geschöpf einen Platz im Leben ermöglicht, so werde ich ihn anerkennen und eher bescheiden oder demütig bleiben. Wenn ich mich anstelle Gottes als „Nabel der Welt“ ansehe, so ist der Weg nicht weit, sich über andere zu erheben und sie zu verachten. Das trifft natürlich nicht auf alle Fernstehenden im Glauben zu. Die Gründe für die wachsende Distanz zu Kirche und Gott sind zu vielfältig, um sie alle „über einen Kamm zu scheren“. Sonst würde ein Klischee durch ein anderes ersetzt.
So gesehen sollte sich jeder bei sich anfangen, wo er oder sie steht. Doch eines gilt für alle: Wer erkennt, da einen vielleicht sogar großen Fehler begangen zu haben, der darf wie der Zöllner Gott um Vergebung und Erneuerung bitten. Dafür kam Jesus zu uns und hat sein Leben hingegeben, damit nichts mehr zwischen Gott und uns stehen muss.
Gott sei Dank!
Lied: EG 350, 1-4 Christi Blut und Gerechtigkeit
Fürbitten
Abendmahlsliturgie
Der Herr sei mit euch
Gem.: und mit deinem Geiste
Erhebet eure Herzen
Gem.: Wir erheben sie zum Herren
Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserm Gott
Gem.: Das ist würdig und recht
Sanctus: …und bekennen ohne Ende
Gem.: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herren. Hosianna in der Höhe.
Vaterunser
Einsetzungsworte: …das die Sünden der Welt trägt
Gem.: Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser! (2x)
Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, gib uns deinen Frieden!
Austeilung mit Einladung, Friedensgruß und Wort nach der Austeilung
Lied: EG 227, 1-4 Dank sei dir, Vater
Segen
Gem.: Amen, Amen, Amen