Lied: EG+ 35, 1-4 Kommt herbei, singt dem Herrn
Votum: Im Namen des Vaters…
Psalm 73 (im Wechsel, EG 733)
Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.
Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den HERRN, dass ich verkündige all dein Tun.
Gebet
Schriftlesung: Matthäusevangelium 5, 1-11
Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg. Und er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen.
Glaubensbekenntnis
Lied: EG 599, 1-4 Selig seid ihr
Predigt mit Predigtwort aus Galaterbrief 3, 13.14
Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben
5. Mose 21,23: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt«, damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.
Liebe Gemeinde,
Fluch und Segen sind eigentlich Gegensätze, die nicht zusammenkommen können. Der Apostel Jakobus schreibt, dass „aus demselben Mund Fluch und Segen kommen – das darf nicht sein!“ Im Galaterbrief geht es aber darum, was nach außen hin wie ein Fluch erscheint und vielleicht auch so empfunden wurde, wird aber von Gottes Perspektive her zu einer nicht versiegenden Quelle großen Segens.
Der Verbrechertod von Christus am Kreuz schien für alle, die damals sich unter dem Kreuz von Jesus versammelt hatten, ein Fluch zu sein. Selbst die allernächsten Menschen um Jesus sahen lediglich grausames Leid, Not und schließlich den Tod von Jesus. Was könnte daran gut sein?
Mit dem Segen Abrahams spielt Paulus auf den Segen Gottes an Abraham in 1. Mose 12,2 an, wo Gott Abraham verspricht: „Ich will dich segnen… und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ Der Segen ist also eine Wirkung, die nicht sofort sichtbar oder spürbar ist. Der Segen kann sogar aus seinem schieren Gegenteil herrühren. Der Segen wurzelt nach Paulus in dem Glauben, dem festen Vertrauen auf Gott, wie es Abraham vorgelebt hatte, der nämlich auf Gott hoffte, wo „nichts zu hoffen war“ (Römer 3).
Die Seligpreisungen von Jesus aus der Bergpredigt nehmen diese Spannung auf. Wie kann es sein, dass derjenige, der arm oder leidend ist, sich nach Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit oder nach Frieden sehnt, „selig“ ist (oder man könnte auch übersetzen: „gesegnet“ ist), während die Erfahrung doch lehrt, dass Arme, Sanftmütige, Barmherzige doch meist leer ausgehen, während die Mächtigen, Reichen, die sich durchsetzen können und obenauf sind, am Ende doch verlieren?
Man kann sagen, dass der Glaube an die Völker umfassende, Heil schaffende Macht von Jesus sich nicht aus der erlebten Erfahrung ableitet (denn die sieht eher nach dem Gegenteil aus), sondern vorwegnimmt, was im Augenblick noch verborgen und weit weg erscheint, aber in der Zukunft, die Gott und seinem ewigen Reich des Friedens, der Liebe und der Gerechtigkeit gehört, sich als wahr erweisen wird.
Das geht nicht ohne Glaube und Hoffnung. Der Glaube ist dabei aber nicht eine blinde Sehnsucht, sondern im Glauben erfassen und erahnen wir eine umfassende Wahrheit, die allem einen Sinn verleiht, während die materialistische Weltsicht, nach der nur das zählt, was jetzt erkennbar und fühlbar ist, eigentlich nicht die Kraft hat, das Leben in seiner Größe und Vielfalt zusammenzuhalten. Wer nur an das „Hier und Jetzt“ glaubt und daran, was „es mir bringt“, verliert sich in dieser Welt, die letztlich hohl und leer erscheint. Der Glaube ist also nicht unvernünftig, auch wenn er nicht beweisbar ist, und er lebt von der Sehnsucht nach dem wirklich Großen, wofür es sich zu leben und auch zu sterben lohnt.
Dies hat Jesus wie kein anderer erkannt, und so konnte er sein ganzes, irdisches Leben hingeben, weil er sich gewiss war, dass hinter ihm das viel größere, ewige Leben Gottes stand. In dieser Perspektive macht auch der sonst merkwürdig klingende Satz von Jesus Sinn: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen.“
Ich bin davon überzeugt, dass Gegner des Christentums Christen nicht bloß als naiv und wenig intelligent abtun, sondern sie spüren vielleicht dieses Gehaltensein der Gläubigen, für die dieses schwierige und wenig sinnhafte Leben aber durch Gottes Gegenwart und Wirklichkeit immer noch erfüllend ist, was ihre Gegnerschaft und Wut noch steigert.
Die Zusagen von Jesus in den Seligpreisungen bestärken die Gläubigen, dass ihnen heute bereits die Zukunft gehört: Sie werden schon hier getröstet und dürfen auch trotz erlebbarer Ungerechtigkeit daran glauben, dass Gott die Gerechten „satt macht“, und die Ungerechten zur Rechenschaft ziehen wird. Sie erfahren als „Friedensstifter“ Gottes Annahme schon in der Gegenwart und können entdecken, dass sie jetzt schon sich als „Kinder Gottes“ sehen und empfinden dürfen.
Und sie haben die begründete Hoffnung, dass in Zukunft ihnen das „Himmelreich“ offenstehen wird. Alles das ist bereits Segen, der dem Glaubenden an Christus heute schon in seinem Leben hilft, und ihm trotz großer Belastungen die Kraft erhält, an das Gute zu glauben und sich dafür einzusetzen. Und selbst dann, wenn dieser Glaube so angegriffen ist, dass man den Eindruck haben kann, die Zweifel nehmen überhand, gibt es auch dafür noch einen Trost und eine Hoffnung. Denn der Glaube ist keine geistige Leistung, die wir als Christen aufzubringen hätten, um sich Gott zu nähern.
Es mag Momente geben, in denen wir sogar meinen, wir hätten unseren Glauben verloren, weil das Vertrauen zu Gott so belastet ist, dass alles Positive davon überlagert ist. Aber da gilt Gottes Versprechen, dass nicht wir zu ihm finden, sondern dass er sich schon längst auf den Weg zu denen gemacht hat, deren Glaube am Boden liegt, mittels des Heiligen Geistes, der „mit unaussprechlichem Seufzen“ sie im Gebet vor Gott bringt.
Es ist Gottes unfassliche, erlösende Macht, die uns zu ihn zieht, denn wir haben nicht die Kraft, uns aus der Umklammerung dieser Welt selbst zu befreien. Das ist ernüchternd und tröstlich zugleich. Wem das jetzt zu träumerisch vorkommt oder sogar anmaßend, der möge eine weitere Seligpreisung von Jesus hören: „Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ Wenn wir das doch einfach so annehmen und glauben könnten!
Lied: EG 347, 1-3 Ach bleib mit deiner Gnade
Fürbitten mit Vaterunser
Lied: EG 347, 4-6
Segen