Gottesdienst mit Abendmahl, 16.08.2026

Lied: EG 446, 1.7-9 Wach auf, mein Herz

Votum: Im Namen …
Gem.:  Amen

Psalm 145 (EG 756 im Wechsel)
Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich.
Der HERR ist groß und sehr zu loben, und seine Größe ist unausforschlich.
Kindeskinder werden deine Werke preisen und deine gewaltigen Taten verkündigen.
Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.
Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für.
Der HERR ist getreu in all seinen Worten und gnädig in allen seinen Werken.
Der HERR hält alle, die da fallen, und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.
Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.
Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen.
Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren, und hört ihr Schreien und hilft ihnen.
Kommt, lasst uns den Herrn anbeten!
Gem.:  Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen

Kyrie-Gebet: Darum rufe ich zu dir
Gem.: Herr, erbarme dich. Christe, erbarme dich. Herr, erbarm dich über uns

Gnadenzuspruch: … Ehre sei dir, o Herr!
Gem.: Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende

Gebet: … Ewigkeit!
Gem.: Amen

Schriftlesung aus Lukasevangelium 18, 9-14
Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren!
Gem.: Halleluja, halleluja, halleluja!

Glaubensbekenntnis

Lied: EG 262, 1-4 Sonne der Gerechtigkeit

Predigt mit Predigttext aus 1. Petrusbrief 5,5
Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
Liebe Gemeinde,
die Beispielgeschichte vom Zöllner und Pharisäer (die Übersetzung spricht zwar von einem „Gleichnis“, aber da es eine reale Geschichte ist, wo die beiden Hauptpersonen für sich selbst stehen, ist „Beispielgeschichte“ korrekter) – diese Geschichte spricht für sich und kann von Pharisäern, die damals zugehört haben, als direkte Kritik an beobachteten Verhaltensweisen gedeutet werden.
Was der einleitende Satz noch verrät, ist, dass Jesus nicht automatisch alle Pharisäer meint (denn in manchen Punkten steht er den Positionen dieser frommen Laienbewegung durchaus nahe), sondern er spricht gezielt von „einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern“. Was nun folgt hat zu dem zweifelhaften Ruf der Pharisäer beigetragen, nämlich selbstgerechte Heuchler zu sein, die fromm tun, aber es nicht sind. Der Begriff „Pharisäer“ hat sich im Sprachgebrauch erhalten als norddeutscher Kaffee mit Sahne und einem guten Schuss Rum. Der Kaffee galt als „protestantisches Getränk“, da er mit Nüchternheit und Arbeit verbunden wird. Aber der ordentliche Schuss Alkohol bringt eine verdeckte, andere Seite zum Vorschein, nämlich Feierabend, Gemütlichkeit und Entspannung. Somit gibt dieses Getränk etwas vor, was sich aber in Wirklichkeit ins Gegenteil verkehrt.
Das Schimpfwort „Pharisäer“ hat sich im kirchlich-religiösen Kontext erhalten als ein Klischee gegenüber Menschen, die ihren Glauben bewusst praktizieren und bestimmte moralische Werte einfordern. Bevor ich auf den heutigen Sprachgebrauch eingehe, möchte ich zunächst einmal die Absicht von Jesus deutlich machen. Wie der einleitende Satz hervorhebt, spricht Jesus hier nicht alle Mitglieder der frommen Laienbewegung an, sondern er adressiert an „einige“, die sich einerseits für „fromm und gerecht“ hielten und andererseits „andere verachteten“. Im Deutschen gibt es noch einen Begriff, der dies in ein Wort fasst, nämlich „selbstgerecht“. Was ist also das Problem dieses Pharisäers, stellvertretend für einige andere? Sie sind einerseits „Selbstdarsteller“. Es reicht nicht, sich vorne im Tempel hinzustellen, wo sie alle anderen sehen.
Er betet laut und selbstbewusst und stellt sich und sein Verhalten in den Mittelpunkt. Eigentlich spricht er nicht zu Gott, sondern eher zu den anderen im Tempel, die ihn für seine strenge Moral und seine Freigiebigkeit bewundern sollen. Denn wozu sollte der Pharisäer dies alles vor Gott aufzählen, der dies doch weiß? Der Zöllner dagegen erscheint als das komplette Gegenbild. Er steht hinten, weil er eben nicht gesehen werden will, er erhebt nicht seine Stimme und blickt nach unten, weil er sich schämt und nur möchte, dass Gott ihn hört.
Er hat nichts vorzuweisen, sondern kann nichts Anderes sagen, als dass er ein Sünder ist, der darauf hofft, bei Gott Gnade zu finden. Jesus Urteil über diese Szene ist ein Hammerschlag: „Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener.“ Er dreht damit die erwartete Deutung um. Der „Selbstgerechte“ mag vor anderen gut dastehen, aber bei Gott geht er leer aus, während derjenige, der nichts zu bieten hat, und sein Elend quasi „Gott vor die Füße legt“, statt einer Verurteilung „Gnade“ erfährt, also unverdiente Schuldvergebung.
Die Beispielgeschichte schließt mit einer Verallgemeinerung, um deutlich zu machen, dass Gott nicht willkürlich urteilt, sondern es einen wichtigen Grund gibt, warum er in Bezug auf den Pharisäer so bzw. gegenüber dem Zöllner anders handelt: „Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“ Dieser Satz wurde und wird gerne missverstanden. Bei zwei Übersetzungen las ich von der „Selbstsicherheit“ des Pharisäers, während der Zöllner sich „kleinmacht“, als ob es Gott darum gehen würde, möglichst innerlich gebeugte und unsichere Menschen anzunehmen und die aufrechten und selbstsicheren Gläubigen abzuweisen.
Das Begriffspaar des Wochenspruches aus dem 1. Petrusbrief bringt den eigentlichen Grund klarer hervor: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Es geht um eine Grundhaltung der Demut bzw. des „Hochmuts“. Der zweite Teil des einleitenden Satzes bei Jesus zeigt das an. Hochmütig sind nämlich die, die sich über andere stellen, und sie „verachten“, quasi „von oben herab“. Die Hochmütigen haben also ein doppeltes Problem. Sie „erhöhen sich selbst“ und brauchen eigentlich auch Gott nicht mehr, da sie ja selbst gut sind, was bereits ein fataler Fehler ist. Und darüber hinaus maßen sie sich an, andere verurteilen zu dürfen, was ihnen nicht zusteht: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.“ Spannend wird die Übertragung auf die Gegenwart.
Es mag auch heute noch unter der Gruppe der „Frommen“ welche geben, die genau diesen Fehler wiederholen, und darum auch selbstgerecht und moralistisch rüberkommen. Aber mittlerweile erlebe ich durchaus bei religiös distanzierten Menschen ein Maß an Arroganz und Überheblichkeit gegenüber denen, die bewusst an Gott glauben und auf ihn hoffen, dass sie nach meiner Wahrnehmung durchaus ins Klischee des (nicht-religiösen) Pharisäers hineinpassen.
Es ist dies keineswegs überraschend, wenn ich nämlich in meinem Denken und Glauben von einem Gott ausgehe, der als Schöpfer mir als Geschöpf einen Platz im Leben ermöglicht, so werde ich ihn anerkennen und eher bescheiden oder demütig bleiben. Wenn ich mich anstelle Gottes als „Nabel der Welt“ ansehe, so ist der Weg nicht weit, sich über andere zu erheben und sie zu verachten. Das trifft natürlich nicht auf alle Fernstehenden im Glauben zu. Die Gründe für die wachsende Distanz zu Kirche und Gott sind zu vielfältig, um sie alle „über einen Kamm zu scheren“. Sonst würde ein Klischee durch ein anderes ersetzt.
So gesehen sollte sich jeder bei sich anfangen, wo er oder sie steht. Doch eines gilt für alle: Wer erkennt, da einen vielleicht sogar großen Fehler begangen zu haben, der darf wie der Zöllner Gott um Vergebung und Erneuerung bitten. Dafür kam Jesus zu uns und hat sein Leben hingegeben, damit  nichts mehr zwischen Gott und uns stehen muss.
Gott sei Dank!

Lied: EG 350, 1-4 Christi Blut und Gerechtigkeit

Fürbitten

Abendmahlsliturgie

Der Herr sei mit euch
Gem.: und mit deinem Geiste
Erhebet eure Herzen
Gem.: Wir erheben sie zum Herren
Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserm Gott
Gem.: Das ist würdig und recht

Sanctus: …und bekennen ohne Ende
Gem.: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herren. Hosianna in der Höhe.

Vaterunser

Einsetzungsworte: …das die Sünden der Welt trägt
Gem.: Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser! (2x)
Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, gib uns deinen Frieden!

Austeilung mit Einladung, Friedensgruß und Wort nach der Austeilung 

Lied: EG 227, 1-4 Dank sei dir, Vater

Segen

Gem.: Amen, Amen, Amen

ökumenischer Festgottesdienst zum 750jährigen Stadtjubiläum

Vorspiel

Begrüßung

1. Lied: Lobe den Herren, 1-4

Votum (Im Namen…)

Psalm 118 (im Wechsel mit Gemeinde):
Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig.
So sollen sagen, die den HERRN fürchten: Denn seine Huld währt ewig.
Der HERR ist für mich, er ist mein Helfer;
Besser, sich zu bergen beim HERRN, als zu vertrauen auf Menschen.
Besser, sich zu bergen beim HERRN, als zu vertrauen auf Fürsten.
Kehrvers: Das ist der Tag, den der Herr gemacht…
Meine Stärke und mein Lied ist der HERR; er ist für mich zur Rettung geworden.
Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit, ich will durch sie hineingehn, um dem HERRN zu danken!
Dies ist das Tor zum HERRN, Gerechte dürfen hineingehn.
Ich will dir danken, dass du mir Antwort gabst, du bist mir zur Rettung geworden.
Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.
Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.
Kehrvers: Das ist der Tag, den der Herr gemacht…
Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
Ach, HERR, bring doch Rettung! Ach, HERR, gib doch Gelingen! Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Wir segnen euch vom Haus des HERRN her. Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten.
Tanzt den Festreigen mit Zweigen bis zu den Hörnern des Altars!
Mein Gott bist du, dir will ich danken. Mein Gott bist du, dich will ich erheben.
Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
Kehrvers: Das ist der Tag, den der Herr gemacht…

Gebet

2. Lied: Wunderbarer König, 1.2.4

Dialogpredigt:
Armin: Wie kam das eigentlich zustande 750 Jahre Stadtrechte der Stadt Braubach?
Martin: Braubach erhielt am 1. Dezember 1276 die Stadtrechte vom deutschen König Rudolf von Habsburg. Gottfried III. von Eppstein spielte dabei eine zentrale Rolle: Das damals über Braubach regierende Geschlecht der Eppsteiner setzte die Verleihung der Stadtrechte beim König durch. Braubach erhielt das Recht auf Selbstverwaltung mit Bildung eines Stadtrats und der Wahl eines Bürgermeisters. Das beinhaltete Markt- und Handelsrechte, die einen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Es gab eine eigene Rechtsprechung innerhalb der Stadt, und es durften Befestigungen errichtet werden, was mehr Sicherheit mit sich brachte.
Armin: Da ist wirklich Grund zur Freude. Hier passt der Psalm 118, den wir gerade miteinander gebetet haben, wirklich gut hinein: „Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.“ Mit diesen Worten beginnt der Psalm. Es sind Worte voller Freude und Dankbarkeit. Sie kommen nicht von Menschen, die nie Schwierigkeiten erlebt hätten. Im Gegenteil: Hinter diesem Psalm stehen Menschen, die Höhen und Tiefen ihres Lebens erfahren haben. Gerade deshalb können sie sagen: Gott hat uns getragen. Gott hat uns bewahrt. Gott hat uns den Weg gezeigt.
Diese Erfahrung dürfen auch wir heute in den Mittelpunkt stellen. Wir feiern das Jubiläum unserer Stadt. Wir schauen dankbar zurück auf das, was in all den Jahren gewachsen ist. Vieles ist gelungen. Vieles konnte entstehen. Vieles hat sich zum Guten entwickelt. Natürlich war das das Werk vieler Menschen – ihrer Ideen, ihres Fleißes und ihres Einsatzes. Doch als gläubige Menschen sehen wir darin noch mehr. Wir erkennen Gottes Segen, der menschliches Tun begleitet und fruchtbar werden lässt.
Der Psalm spricht genau von dieser Erfahrung. Er bekennt: „Der Herr ist meine Stärke und mein Lied.“ Das bedeutet: Nicht ich allein muss alles tragen. Gott trägt mich. Er geht mit mir. Er schenkt Kraft, wenn meine eigene Kraft nicht mehr ausreicht.
Diese Erfahrung zieht sich durch die ganze Bibel. Immer wieder erzählen Menschen davon, wie Gott sie geführt hat. Denken wir an Mose und das Volk Israel. Vor ihnen das Meer, hinter ihnen die
Verfolger – menschlich gesehen eine ausweglose Situation. Doch Gott eröffnet einen Weg, wo keiner mehr zu sehen ist. Oder denken wir an David. Als junger Hirte steht er dem riesigen Goliath gegenüber. Er verlässt sich nicht auf Waffen oder eigene Stärke, sondern auf Gott. Und gerade darin liegt seine Kraft.
Auch Elija macht eine besondere Erfahrung. Er sucht Gott im Sturm, im Erdbeben und im Feuer. Doch Gott begegnet ihm ganz anders: im leisen Säuseln des Windes. Manchmal ist Gott eben nicht im Spektakulären zu finden, sondern in den stillen Momenten unseres Lebens, in einer Begegnung, einem guten Wort oder einer unerwarteten Wendung.
Und schauen wir auf die Jünger Jesu. Nach dem Karfreitag scheint alles verloren. Doch an Ostern erfahren sie: Gott führt nicht in den Tod, sondern ins Leben. Hoffnung ist stärker als Resignation. Das ist die große Botschaft unseres Glaubens.
Auch wir erleben Zeiten, in denen wir uns fragen: Wie soll es weitergehen? Warum lässt Gott das zu? Und oft verstehen wir Gottes Handeln erst im Rückblick. Dann merken wir: Es haben sich Türen geöffnet. Menschen standen uns zur Seite. Aus einer schweren Zeit ist etwas Gutes entstanden. Vieles ist anders gekommen, als wir es geplant hatten – und doch gut geworden. Solche Erfahrungen schenken Dankbarkeit. Sie lassen uns erkennen: Gott war längst da, auch wenn wir ihn in diesem Moment noch nicht spüren konnten.
Martin: Zweierlei finde ich an der Stadtgeschichte besonders, die Anlass zum Dank geben gegenüber Gott und im Hinblick auf die Menschen früherer Zeiten, die mit viel Engagement ihre Chancen nutzten. Zum einen grenzt es an ein Wunder, dass die Marksburg als einzige mittelrheinische Hochburg nie zerstört wurde, obwohl sie mitten zwischen mächtigen Territorialmächten lag. Und die Menschen in Braubach waren wirtschaftlich aktiv und kreativ. So  habe ich kürzlich bei einem Besuch eine Liste der Geschäfte in  Braubach aus den 50er Jahren erhalten von Gaststätten, Metzgereien, Bäckereien und noch vielem mehr. Ich bin beim Durchzählen auf die unglaubliche Zahl von 156 gekommen. Die Bevölkerung von Braubach ist leider in diesem Zeitraum nicht offiziell erfasst, aber man sprach damals von 4000. Grob gesagt kamen auf 1000 Einwohner also 40 Geschäfte. Dankbar sind wir als Evangelische auch darüber, dass wir als Kirchengemeinde nun fast 500 Jahre
existieren und insgesamt drei Kirchen haben, was sich in der heutigen Zeit allerdings finanziell als große Herausforderung darstellt. Der Glaube an Jesus hilft mir, nicht bloß die Schwierigkeiten der Gegenwart zu sehen, sondern sowohl dankbar auf Gottes Begleitung zurückzuschauen und zugleich als auch hoffnungsvoll nach vorne zu blicken. Denn Jesus hat versprochen, als er seine Jünger und Jüngerinnen losschickte, dass er bei ihnen und seiner Gemeinde sein werde bis zum „Ende der Welt“.

3. Lied: Großer Gott, wir loben dich

Fürbitten
Armin: Mit Dankbarkeit schauen wir heute auch auf die Geschichte Braubachs. Wir denken an die vielen Menschen, die diese Stadt aufgebaut, gestaltet und geprägt haben. Viele ihrer Namen kennen wir heute nicht mehr. Aber ihr Einsatz lebt weiter in den Häusern, den Straßen, den Vereinen und im Miteinander dieser Stadt.
Andere sind weit über Braubach hinaus bekannt geworden. Einer von ihnen ist der Kammersänger Heinrich Schlusnus. Mit seiner außergewöhnlichen Stimme wurde er einer der bedeutendsten Baritone seiner Zeit. Auf den großen Konzertbühnen Europas feierte er Erfolge. Seine Heimat aber blieb Braubach. Das zeigt uns: Wer gute Wurzeln hat, kann weit ausstrahlen.
Damit sind wir bei etwas, das für jede Stadt unverzichtbar ist: Gemeinschaft. Eine Stadt besteht nicht nur aus Häusern und Straßen.  Sie lebt von den Menschen, die füreinander da sind. Gemeinschaft trägt. Sie schenkt Geborgenheit, Vertrauen und Zusammenhalt.
Gerade heute merken wir, wie kostbar das ist. Unsere Gesellschaft hat sich verändert. Manches ist anonymer geworden. Der Blick füreinander geht leichter verloren. Umso wichtiger ist es, Orte der Begegnung zu schaffen – in den Vereinen, bei Festen, im Ehrenamt, in den Familien und nicht zuletzt hier in unseren Kirchengemeinden. Denn Gemeinschaft entsteht nicht von selbst. Sie will gepflegt werden.
Als Christen glauben wir noch mehr: Gott selbst stiftet Gemeinschaft. Er wohnt mitten unter seinem Volk. Deshalb stehen unsere Kirchen mitten in der Stadt. Sie sind weit mehr als historische Gebäude. Sie sind Zeichen dafür, dass Gott mitten unter uns wohnen möchte. Hier versammeln wir uns, um ihm zu danken, ihn zu loben und neue Kraft für unseren Alltag zu schöpfen. Hier erfahren wir, dass wir nicht allein unterwegs sind.
Nach diesem Gottesdienst werden wir einen Jubiläumsbaum pflanzen. Das ist ein schönes und zugleich tiefes Zeichen.

Martin: Von Martin Luther ist der Satz überliefert: „Und wenn morgen die Welt unterginge, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Das ist eigentlich das Gegenteil von Weltuntergangsstimmung. Aus diesem Satz spricht eine tiefe Gelassenheit, die sich nicht von Zukunftsängsten davon abhalten lässt, heute das zu tun, was zu tun ist. Möglich ist das da, wo die eigenen Wurzeln in Gott gegründet sind, so wie es der Prophet Jeremia formuliert: „Gesegnet ist der, der sich auf den Herrn verlässt, dessen Zuversicht der Herr ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt. Denn wenn auch die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.“ So möge die Pflanzung des Jubiläumsbaums ein Zeichen dafür sein, dass die Geschichte der Stadt Braubach und seiner Menschen weitergeht, und wir nicht vergessen, dass Gott bei allem dabei ist. Denn von ihm her stammen wir, und zu ihm kehren wir einmal wieder zurück. Diese Zuversicht kann ein ganzes Leben tragen. Das wünschen wir allen heute an diesem Festtag!

Vaterunser

4. Lied: Bewahre uns Gott, 1-4

Segensgebet mit Segen
Segen aus Ägypten:
Martin: Der Herr segne dich.
Armin: Er erfülle deine Füße mit Tanz und deine Arme mit Kraft.
Martin: Er erfülle dein Herz mit Zärtlichkeit und deine Augen mit Lachen.
Armin: Er erfülle deine Ohren mit Musik und deine Nase mit Wohlgerüchen.
Martin: Er erfülle deinen Mund mit Jubel und dein Herz mit Freude.
Armin: Er schenke dir immer neu die Gnade der Wüste: Stille, frische Wasser und neue Hoffnung.
Martin: Er gebe uns allen immer neu die Kraft, der Hoffnung ein Gesicht zu geben.
Armin: Es segne dich der Herr.
Armin/Martin: So segne dich der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist (Kreuzsymbol).

Nachspiel

Gottesdienst mit Abendmahl, 26.07.2026

Lied: EG 361, 1-3 Befiehl du deine Wege

Votum: Im Namen …
Gem.:  Amen

Psalm 37 (EG 720 im Wechsel)
Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen
und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag.
Sei stille dem HERRN und warte auf ihn. Entrüste dich nicht, damit du nicht Unrecht tust.
Bleibe fromm und halte dich recht; denn einem solchen wird es zuletzt gut gehen.
Der HERR hilft den Gerechten, er ist ihre Stärke in der Not.
Kommt, lasst uns den Herrn anbeten!
Gem.:  Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von  Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Kyrie-Gebet: Darum rufe ich zu dir
Gem.: Herr, erbarme dich. Christe, erbarme dich. Herr, erbarm dich über uns

Gnadenzuspruch: … Ehre sei dir, o Herr!
Gem.: Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende

Gebet: … Ewigkeit!
Gem.: Amen

Schriftlesung aus Matthäusevangelium 5, 13-16 (Hoffnung für alle)
»Ihr seid für die Welt wie Salz. Wenn das Salz aber fade geworden ist, wodurch soll es seine Würzkraft wiedergewinnen? Es ist nutzlos geworden, man schüttet es weg, und die Leute treten darauf herum. Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt. Eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet ja auch keine Öllampe an und stellt sie dann unter einen Eimer. Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenständer, so dass sie allen im Haus Licht gibt. Genauso soll euer Licht vor allen Menschen leuchten. Dann werden sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.«
Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren!
Gem.: Halleluja, halleluja, halleluja!

Glaubensbekenntnis

Lied: EG 390, 1-3 Erneure mich, o ewigs Licht

Predigt mit Wochenspruch aus Epheserbrief 5, 8-9
Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Liebe Gemeinde,
wonach richtet sich das eigene Verhalten aus? Nach festgelegten Moralvorstellungen, nach dem Gewissen oder nach dem eigenen oder einem fremden Willen? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Denn dazu gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen. Jedenfalls sind wir laut neuerer Gehirnforschung weniger frei in unseren Entscheidungen, als wir es glauben. Wir meinen, die eigene Entscheidung gerade frei in unserem Bewusstsein getroffen zu haben, aber in Wirklichkeit haben uns unbewusste Motive dahin geleitet, was wir dann für eine freie Wahl hielten.
Es lohnt sich also, einmal darüber nachzudenken, was unser moralisches Handeln beeinflusst. Die eingangs genannten Punkte treffen nämlich alle irgendwie zu. Moralvorstellungen sind vorgeprägt durch die Erziehung der Eltern und die Einflüsse anderer Menschen oder Einrichtungen. Wenn die Eltern uns z.B. beigebracht haben, mit fremden Menschen höflich und rücksichtsvoll umzugehen, so werden wir das später automatisch tun, es sei denn, wir haben uns bewusst oder auch unbewusst gegen die Wertvorstellungen unserer Eltern entschieden. Das Gewissen wird geprägt durch Einfühlungsvermögen und positive Grundhaltungen, die man vorgelebt bekommt, aber auch in sich bewusst fördern kann.
Menschen oder Institutionen, die Macht über einem ausüben können, sind auch ein wichtiger Faktor. Als Beispiel habe ich gerade das umfangreich recherchierte Buch des Historikers Götz Aly zum Nationalsozialismus im 3. Reich vor Augen. „Wie konnte das geschehen?“, so lautet der Titel, dass nämlich eine große Mehrheit von Deutschen so bedingungslos Hitler die Treue gehalten haben, auch dann noch, als sich der Untergang abzeichnete. Insbesondere die öfters zitierten Tagebuchaufzeichnungen des Propagandaministers und Hitlervertrauten Joseph Goebbels geben einen Einblick, mit wieviel Raffinesse die Bevölkerung mit „Zuckerbrot und Peitsche“ dahin gelenkt wurde, gegen das eigene Gewissen und moralischen Wertvorstellungen zu handeln, bis man nicht mehr zurückkonnte.
Ich wage nun einen weiten Sprung in die Vergangenheit und lande bei Jesus, der mit der Bergpredigt seinen Jüngern und Jüngerinnen „ins Gewissen redet“. Dabei knüpfe ich an die Predigt vor 14 Tagen in Osterspai an, wo es darum ging, dass Jesus nicht die Gebote „auflösen“, sondern „erfüllen“ wollte. Moralvorstellungen sind wichtig, weil man sich daran orientieren kann (so wie Straßenschilder für den Verkehr). Aber entscheidend ist die innere Haltung und Bereitschaft, das Gute um des Menschen und um Gottes Willen zu tun. Ohne Mitgefühl und ohne Liebe zu den Menschen wird die Moral kalt und hart fordernd im Ton.
Mit dem doppelten Bildwort vom „Salz“ und vom „Licht“ umschreibt Jesus die Motivation der Liebe hinter dem moralischen Handeln. Das fade Salz kann nicht mehr würzen, wie der lieblose Mensch nicht mehr anderen ein Vorbild in der Mitmenschlichkeit sein kann. Das Bild vom „Licht“ setzt noch einen weiteren Akzent. Der Mensch, der sich nicht traut, zu den Werten und der Grundhaltung zu stehen, die Jesus vorgelebt hat, verbirgt sein Licht unter einem „Eimer“. Denn er möchte nicht von den anderen kritisiert oder abgelehnt werden.
Diese ungewöhnlichen Metaphern, die Jesus verwendet, drücken nach meiner Wahrnehmung noch etwas Entscheidendes im Hinblick auf den Einfluss des Glaubens bzw. Gottes auf das moralische Handeln aus. Das Salz ist unscheinbar und an sich nicht wertvoll, aber in Bezug auf die Würze und Haltbarmachung von Lebensmitteln ist es sehr wichtig. Die Lichtquelle hat, wie der Name es sagt, eine Quelle, aus der sie sich speist. Der Mensch ist von Jesus her nicht an sich gut, sondern in der Verbindung zu Gott erhält er die „Strahl-/Würzkraft“, die ihn für die anderen so wertvoll macht.
Der Wochenspruch von Paulus lässt noch einen weiteren Aspekt des moralischen Handelns erkennen: „Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ Die Beziehung zu Gott bringt „Früchte“ hervor, d.h. wer mit Gott lebt, wächst in seinem moralischen Handeln. Das mag für andere nicht ohne weiteres erkennbar sein, ja auch für denjenigen, der Gutes tut in der gewachsenen Beziehung zu Jesus, ist es durchaus nicht klar, was da herangewachsen ist. Denn man müsste sein Leben mit Gott parallel zu einem gedachten Leben ohne ihn vergleichen können, um zu erkennen, was sich durch die Beziehung zu Gott mit der Zeit alles zum Besseren verändert hat. Das mögen nicht immer gewaltige Taten sein, die man als Christ vollbringt. Aber ohne die vergebende und heilende Liebe von Jesus wäre die Gefahr groß abzurutschen, und in ein egoistisches, den anderen gegenüber gleichgültiges Leben hineinzugeraten, aus der es vielleicht -ähnlich wie bei Götz Aly herausgearbeitet- kaum ein Entkommen mehr gibt. Denn man kann sich genauso daran gewöhnen, das Böse zu tun wie umgekehrt das Gute.
So möchte Jesus den Glaubenden in der gelebten Beziehung zu ihm ermutigen zu bleiben, wenn er sagt: „Genauso soll euer Licht vor allen Menschen leuchten. Dann werden sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Lied: EG 632, 1-3 Wenn das Brot das wir teilen

Fürbitten

Abendmahlsliturgie
Lobgebet: Der Herr sei mit euch
Gem.: und mit deinem Geiste
Erhebet eure Herzen
Gem.: Wir erheben sie zum Herren
Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserm Gott
Gem.: Das ist würdig und recht
Sanctus: …und bekennen ohne Ende
Gem.: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herren. Hosianna in der Höhe.

Vaterunser

Einsetzungsworte: …das die Sünden der Welt trägt
Gem.: Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser! (2x)
Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, gib uns deinen Frieden!

Austeilung mit Einladung, Friedensgruß und Wort nach der Austeilung

Lied: EG 580, 1-3 Dass du mich einstimmen lässt

Segen
Gem.: Amen, Amen, Amen